Judo - Tradition
 
Judo und die Ethik

Wenn wir die moralische Phase des Judo untersuchen, so sehen wir, wie das Prinzip der höchsten Wirksamkeit uns hilft, moralisches Verhalten zu fördern. Ein reizbarer Mann ist geneigt, sich aus nichtigen Gründen zu ärgern. Aber wenn man erst einsieht, daß Aufgeregtsein unnötige Energieverschwendung bedeutet, kein Vorteil, sondern Nachteil für sich und andere ist, dann wird man erkennen, daß Judo-Studenten sich notwendigerweise von einem solchen Verhalten zurückhalten müssen. Einem Mann, der manchmal verzagt oder mißmutig und ohne Mut zur Arbeit ist, gibt der Judo-Sport die Möglichkeit, herauszufinden, was er am besten unter den augenblicklichen Umständen tun soll. So paradox es erscheinen mag, m. E. ist solch ein Mann am Zenith seines Erfolges angelangt. Also kann man von der Judo-Lehre sagen, daß sie einen Mann aus den Tiefen der Enttäuschung und Lethargie herausreißt und zu einem Zustand kräftiger Aktivität mit glänzenden Zukunftshoffnungen führt. Dieselbe Überlegung paßt auch auf unzufriedene Personen. Sie sind oft in einer verdrießlichen Stimmung und tadeln andere Leute für ihre eigenen Fehler, anstatt vor ihrer eigenen Tür zu kehren. Die Judo-Lehre will solchen Menschen beibringen, daß dieses Verhalten gegen den Grundsatz der höchsten Wirksamkeit verstößt, und wird sie so befähigen, einzusehen, daß sie durch getreue Befolgung dieses Grundsatzes ausgeglichener werden. So wirkt die Judo-Lehre mannigfaltig und günstig auf das moralische Verhalten des Menschen.

Judo und die Ästhetik
Dojo oder Übungshalle
Einteilung der Grade
Der GruSs im Sitzen
Der GruSs im Stehen
Hygiene

Einige Worte über die Gefühlsseite des Judo: Wir sind uns alle des freudeverleihenden Gefühles bewußt, das den Nerven und Muskeln durch Ubungen gegeben wird. Wir fühlen auch Freude, wenn wir Geschicklichkeit im Gebrauch unserer Muskeln erlangt haben und uns im Kampf gegen andere überlegen fühlen. Die Übung, gepaart mit der Freude an der Beobachtung graziöser Bewegung, die für die Idee symbolisch ist, bildet das, was wir die gefühlsmäßige Seite des Judo nennen. Zusammengefaßt, was wir bisher gehört haben: Judo ist ein Studium von Geist und Körper, wie auch ein Training für alle anderen Dinge, die mit dem Leben zusammenhängen. Nach dem eingehenden Studium der verschiedenen Angriffs- und Verteidigungsmethoden bin ich überzeugt, daß sie alle auf der Anwendung des einen, des alldurchdringenden Prinzips beruhen. Was immer das Ziel sein mag, es kann am besten durch höchsten oder wirksamsten Gebrauch von Geist und Körper für diesen Zweck erreicht werden. Wenn einmal die wirkliche Bedeutung dieses Prinzips verstanden ist, darf es auf alle Phasen des Lebens angewandt werden und befähigt den Menschen, dadurch ein vernünftiges und harmonisches Leben zu führen. Das wirkliche Verständnis für das Prinzip muß man nicht notwendigerweise durch Training in den Angriffs- und Verteidigungsmethoden erreichen. Aber als ich diese Idee ersann, führte ich sie durch Training in Wettkämpfen und bei der Entwicklung des Körpers durch. Es ist das beste Mittel gewesen, um dieses Prinzip zu erreichen. Wenn das Prinzip der höchsten Wirksamkeit auf die Erhöhung oder Veränderung des sozialen Lebens angewandt wird, und wenn es auf die Koordination von Körper und Geist angewandt wird, verlangt es in erster Linie Ordnung und Harmonie unter seinen Mitgliedern. Dies kann nur durch gegenseitige Hilfe und Zugeständnisse zu beiderseitigem Nutzen erreicht werden. Das letzte Ziel des Judo ist deshalb, dem Menschen einen Geist der Achtung vor dem Prinzip der höchsten Wirksamkeit, des Wohlbefindens und des Nutzens einzuflößen, der ihn dahin bringt, sich zu üben. Dadurch kann der Mensch individuell und kollektiv den höchsten Zustand erreichen sowie gleichzeitig seinen Körper entwickeln und durch die Kunst von Angriff und Verteidigung lernen. Der Kodokan ist eine Einrichtung für die Erforschung und die Lehre dieser Wissenschaft und Kunst. Er ist das Hauptquartier aller Judo-Organisationen, nicht nur in Japan, sondern in der ganzen Welt. Er befindet sich in Tokio.

Ein weißer Gürtel wird von allen Studenten gebraucht, die für die Kyu- und Dan-Grade noch nicht geeignet sind. Es folgen die Kyu-Grade in den Farben: Weiß, Gelb, Orange, Grün, Blau, Braun.

Die Kyu-Grade beginnen mit dem 6. Grad und enden mit dem 1., während die Dan-Grade von dem 1. aufwärts bis zum 10. geben. Vom 1. bis zum 5. Dan ist die Gürtelfarbe Schwarz, vom 6. bis zum 9. ist die Gürtelfarbe Rot-Weiß, der 10. Dan trägt einen roten Gürtel. Die Gürtel der Frauengruppen sind ebenso, nur mit einem weißen Querstreifen.

Gruß und Sitten in der Ubungshalle: Der Gruß ist ein Ausdruck der Achtung vor dem Gegner. Er wird vor und nach Kata und Randori sowie den Wettkämpfen angewandt. Es gibt eine Grußform, die im Sitzen, eine andere, die im Stehen ausgeführt wird.

Mehr Zwischenraum zwischen den Kämpfern. Die Begrüßung muß nicht nur zwischen den Wettkämpfern selbst, sondern auch den Vorgesetzten und Lehrern dargebracht werden, bevor man die Halle betritt oder verläßt. Ruhe und Aufmerksamkeit ist Gebot. Besondere Zusammenarbeit soll der herrschende Geist sein. Auf Ordnung muß besonderer Wert gelegt werden, da es ein Haus für alle ist.

Um beste Ergebnisse zu erreichen, muß man ständig Mäßigung im Essen, Trinken und Schlafen üben. Man muß sich selbstverständlich auch dem Essen und Trinken während der Ubung und auch unmittelbar vor und nach der Übung fernhalten. Den Körper rein zu halten und saubere Kleider zu tragen, ist nicht nur für die Gesundheit wichtig, sondern auch aus Rücksicht auf die anderen notwendig. Außerdem sollte man daran denken, sich die Nägel zu schneiden und nicht zu lange Haare zu tragen, nicht nachlässig bei der Ausbesserung der Kleidung zu sein und sich vor Beginn gut zurechtzumachen. Während der Übung soll man den Mund schließen und durch die Nase atmen. Daß nach der Übung eine gründliche Säuberung des Körpers zu folgen hat, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Die Waschung des Körpers dient nicht nur der Reinlichkeit, sondern ist auch für die Haut von größtem Wert.

Das Dojo für Judo wird hauptsächlich für Randori oder Kata gebraucht, wie auch für Judo-Wettkämpfe und gelegentlich für Diskussionen. Es muß eine Halle mit gesteppten Matten sein, damit die Gewähr gegeben ist, daß sich niemand verletzen kann. Wenn die Matten zerrissen sind, oder auch, wenn sie uneben gelegt sind, besteht das Risoko der Verletzung. Den Ursprung des Namens Dojo finden wir beim Buddhismus in der Bedeutung von Klöstern. Die Halle muß so sauber wie möglich sein; in ihr soll immer jene feierliche Atmosphäre sein, die an jedem Ort der Verehrung oder des geistigen Trainings vorherrschen sollte.

Die Kämpfer sitzen sich im Abstand von 1,50 m auf der Matte gegenüber. Die Hände sind auf der Matte mit den Fingerspitzen etwas nach innen gedreht. Wenn man eine Verbeugung macht, soll der Hinterkopf so tief wie die Schultern sein (Kata). Bei Randori geht der Gruß im Kniestand vor sich.